Das MIETSHÄUSER SYNDIKAT

Das Mietshäuser Syndikat (MHS) ist eine nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft zum Erwerb von Häusern, die selbstverwaltet in Gemeinschaftseigentum überführt werden. Idee und Ziel des MHS ist es, Häuser und Grundstücke dauerhaft dem Immobilienmarkt zu entziehen, wodurch langfristig sozial verträgliche Mietpreise gesichert und bezahlbarer Wohnraum für alle gewährt werden.

Als Verbund aus mittlerweile über 160 selbstverwalteten Wohnprojekten ist das MHS gleichzeitig als Netzwerk zu verstehen, durch das ein immenses Know-How zu Kaufprozess, Finanzierung, Buchhaltung und Verwaltung weitergegeben wird.

Wie funktioniert's?

Die Hausbewohner:innen schließen sich in einem Hausverein zusammen und gründen mit dem MHS eine GmbH, die das Haus kauft. Beide Parteien bringen anteilig das für die GmbH-Gründung notwendige Stammkapital ein, sodass beide als Gesellschafter:innen auftreten. Der Besitz an der Haus-GmbH ist dann zu 51% bei dem Hausverein und zu 49% beim MHS aufgeteilt.

Die Rollen der beiden Gesellschafter:innen gestalten sich dabei folgendermaßen:

Der Hausverein ist in alle Verwaltungsfragen – wie Wohnen, Miete, Organisation, Sanierung – entscheidungsberechtigt und damit unabhängig. Dafür stellt er auch die Geschäftsführung der GmbH.

Das Syndikat wirkt als Wächterorganisation und hat nur bei bestimmten Entscheidungen Stimmrecht. Dazu zählen Grundstückskauf und -verkauf, Satzungsänderungen des Gesellschaftervertrags und Gewinnverwendung der GmbH.

Für immer ein Mietshaus

Durch das System verschränkter Eigentümer:innenschaft und deren gegenseitige Kontrolle kann ein langfristiges Bestehen unseres selbstverwalteten Wohnhauses gewährleistet werden. In der Haus-GmbH sind die Stimmrechte paritätisch zwischen Hausverein und dem Syndikat aufgeteilt. Ein Verkauf oder eine Umwidmung des Hauses würde durch das Veto des Syndikats verhindert werden. Dadurch können unsere Forderungen nach bezahlbaren Mieten, Teilhabe, gemeinschaftlichem Eigentum und Mitbestimmung ohne Eigenkapital langfristig bedient werden. Sicherer und bezahlbarer Wohnraum bedeutet mehr Lebensqualität für alle.

FINANZIERUNG

Für den Kauf des Hauses sowie die Sanierungmaßnahmen leiht sich die GmbH Geld bei einer Bank und bei Direktkreditgeber:innen. Die Kreditgebenden finanzieren uns somit nicht privat, sondern das Projekt. Auch wir Bewohner:innen investieren mit Direktkrediten in unser Projekt. Diese Art der Finanzierung ermöglicht es uns, die persönliche Bindung an das Projekt vom Finanziellen zu trennen.

Die Kredite werden über die Mietzahlungen der Mieter:innen getilgt. Die GmbH tritt also als Vermieterin auf, verfolgt aber keine Gewinnabsichten. Mit zunehmender Tilgung sinkt die Verschuldung, entsprechend erhöht sich die Stabilität. Wir kalkulieren mit moderaten Mieterhöhungen in Inflationshöhe, sodass stabile Mieten auf dem Niveau des sozialen Wohnungsbaus gewährleistet werden können.

Der Vorteil von Privatdarlehen besteht darin, dass die Konditionen individuell vereinbart werden können. Unser Ziel ist es, diese Darlehen nicht zu tilgen, also die Summe in Raten zurückzuzahlen, sondern bei geforderter Rückzahlung des Gesamtbetrags neue einzuwerben, die das zurückgezahlte Darlehen ersetzen. Dadurch können immense Kosten gespart werden, wodurch langfristig günstigere Mietpreise erzielt werden können.

Der Finanzierungsplan wird in Zusammenarbeit mit der Regionalen Koordination und Beratung des Mietshäuser Syndikats und der kreditgebenden Bank entwickelt. Vor dem Beteiligungsbeschluss des Mietshäuser Syndikats – d. h. wenn der gesamte Syndikatsverbund nach einer Projektvorstellung einstimmig beschließt, sich an unserem Projekt als Gesellschafter:in zu beteiligen – wird der Finanzierungsplan auf Basis aller Erfahrungen nochmals überprüft.